Eine kleine Schäre für Heidi und Lothar

Lothar
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Eine kleine Schäre für Heidi und Lothar

Beitragvon Lothar » Do 12. Sep 2013, 21:31

Hallo liebe Freunde der klassischen (Modell)-Yachten,

diese Rubrik hat Joachim heute für uns eingerichtet, da wir hier ja mindestens einen Yachtbesitzer und diverse Jolleneigner in unseren Reihen haben.

Ben hatte sich ja schonmal irgendwo geoutet, dass er seine 1:5 Schäre gegen eine wunderschöne Holzjolle eingetauscht hat. Max hatte beim letzten Treffen seine Jolle sogar dabei...

Tja und mich hat es ja schon lange gereizt mir mal ein "echtes Boot" zum basteln anzuschaffen. Schließlich paddeln Heidi und ich seit einiger Zeit mit schönen alten Faltboote über die kleinen Flüsse in Bremens Umgebung. Aber ich möchte in meinem Leben auch nochmal segeln. Irgendwie ist das ein Jugendtraum von mir.

Also habe ich immer mal im Bootsmarkt bei http://www.Blocket.se reingeschaut. Das Angebot an restaurationsfähigen Holzbooten ist in Schweden deutlich größer, günstiger und interessanter als hier. Eines Tages fand ich dort eine Anzeige, die mit

Liten Skärgardskryssare

überschrieben war. Hmm, gelesen und einfach mal in Schweden angerufen. 5000 SKR sollte Solgun kosten. Dem Verkaüfer war der richtige Käufer wichtiger als der Preis. Der SK der B-15 Klasse, davon wurden nur ca. 10 gebaut, sollte in gute Hände um weiter gepflegt zu werden. Jan, der Verkäufer ist 70 Jahre alt und traut sich den Unterhalt und die Pflege nicht mehr zu , ausserdem beschäftigt er sich mittlerweile mehr mit alten Pferderassen, denn alten Segelbooten. Nach einer Woche überlegens hat er mir dann den Zuschlag erteilt. Es hatten sich wohl noch ein Deutscher, ein Däne und zwei Schweden "beworben". Ich war stolz wie Oskar und freute mich wie Bolle.....

Nun kam die Frage der Unterbringung hier auf. Zum Glück fand ich Platz in der Scheune des Bauerns an unserem Modellflugplatz und ein Trailer war auch schnell und unkompliziert von einem Segefreund zur Verfügung gestellt worden. Auf dem Trailer liegt sonst SK30 Bento. Also sollte er für einen SK15 locker reichen. Klingt jetzt einfach, waren aber schlaflose Tage....

Am 10.08. machten Heidi und ich uns um 5.00 Uhr auf den Weg nach Schleswig Holstein und hängten den Trailer an den Fiat Scudo. Abends rollten wir nach 1200 km Fahrt bei bestem Sonnenwetter in Kristinehamn am nördlichen Ufer des Vänern auf den Campingplatz. Dort noch eine kleine Sommerhütte gemietet und dann eine weitere vor Aufregung schlaflose Nacht verbracht. Am nächsten Morgen sind wir dann nach Väse. Das Dorf liegt zwischen Karlstadt und Kristinehamn.

Jan empfing uns und wies mich gleich mit dem Gespann ein. Und da stand dann Solgun auf ihrem alten Hafentrailer! Jan holte noch seinen Nachbarn (noch ein Jan), der einen radlader besitzt. Mit vereinten Kräften und bei strömendem Regen wurde Solgun dann umgeladen:

20130812 001.jpg


Dann reichten mir Heidi und Jan noch alle verbleibenden teile rauf ins Boot. Schiebeluk, Kajüttüren, Bodenbretter, Großbaum, Spinnakerbaum, ja selbst Bootshaken und langes Yachtpaddel wurden mir gereicht. Ich hatte allmählich einen geistigen Overflow.... und war nicht mehr wirklich aufnahmebereit. Sogar Fender wurden mir gereicht. Den Mast haben wir dann noch am trailer befestigt und mehrere Kisten Kleinteile sowie die sgel in Säcken ins Auto geladen.

Dann noch ein Bild mit den beiden Eignern gemacht:

20130812 007.jpg


die Geldübergabe abgewickelt, einen Kaffee getrunken und warmen schwedischen Himberkuchen genossen.

Und wieder ab auf die Landstraße. Nach einigen Kilometern einen Kontrollstopp gemacht und die Befestigung des Bootes überprüft:

20130812 009.jpg


Das schöne auf den schwedischen Landstraßen sind die vielen Kreisverkehre. Ich konnte dann immer toll unser Boot im Rückspiegel sehen. Auf der Rückfahrt waren wir noch mit Boot hintendran auf dem schwedischen Berg der Segelflieger um Fotos für einen guten Freund zu machen. Johannes baut gerade mit mir ein Flugzeug als Modell, welches dort steht. Die Jungs dort oben haben zwar etwas sparsam geschaut wegen unsers Gespanns, aber das war es wert. Abends sind wir noch bis Markaryd gefahren und haben wieder eine Hütte genommen.

Am nächsten Morgen sind wir dann nach Malmö, und haben dort unsere letzten Schwedenkronen vertankt. Schnell noch ein Bild meiner Schätze auf schwedischem Boden und ab über die Brücke nach Dänemark:

20130812 048.jpg


20130812 054.jpg


Auf dem Heimweg sind wir noch bei Marcio und Tina eigekehrt, das war ja fast auf der Strecke. Als wir dann abends beim Bauern den Trailer mit Boot in die Scheune geschoben haben, hatten wir 2400 km gefahren, dabei ca 10 Liter Diesel pro 100 km verbraucht und 80 km/h Durchschnitt laut Bordcomputer gehalten. 2 Riesenbrücken haben wir auf Hin- und Rückfahrt überquert und wir waren totmüde...

Nun habe ich was zum restaurieren.

Grüße

Lothar

Lothar
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Technische Daten

Beitragvon Lothar » Do 12. Sep 2013, 22:02

Es fehlen natürlich noch die technischen Daten und eine Zustandsbeschreibung.

Das Boot ist ein SK15 der sogenannten B-Klasse. Die Klasse ist in Göteborg entstanden. Sie unterliegt im Rumpf einigen Beschränkungen, damit die Boote nicht wie die anderen SK15 extrem in die Länge gezogen werden. Für diese Klasse wurden ca 10 Boote gebaut. Solgun hat die Segelnummer S3. Wir werden sie beibehalten.

Das Boot ist 1939 gebaut worden. Der Entwurf ist von Knud Reimers, einer der bekanntesten Schwedischen Yachtkonstrukteure. Er war auch einige Jahre bei A&R an der Weser beschäftigt.

Das Boot ist 9 Meter lang, 1,8m breit und hat ca. 1,1 m Tiefgang. Die Verdrängung beträgt ca. 1,2 t.

Der Rumpf besteht aus Oregon-Pine auf Eichenspanten. Das Deck ist ebenso ein Nadelholz mit Mahagonileibungen. Die Kajüte und alle Bodenbretter etc. sind Mahagoni. Das Dach wohl Nadelholz.

Vorab, das Boot ist vollständig inclusive Segel und laufendem Gut. Es hat die letzten 3-4 Jahre in der Halle gestanden, ist also recht trocken. Bisher habe ich noch keine echten vergammelten Stellen gefunden. Am Vorsteven und beim Spiegel sind einige kleine schwarze Stellen. Das Deck schreit nach überarbeitung. Der Lack an Deck ist komplett an den Nähten gesprungen. Die Kajüte war nach der langen Autofahrt durch einigen starken Regen feucht. Wir haben das Leinen auf dem Dach als erstes entfernt, damit da nichts vergammelt. Das Ruder muß neu.

Die Segel (Fock, Genua, Groß) sind noch gut, allein das Großsegel ist etwas verschmutzt, kann man aber wohl reinigen (lassen). Der Mast bedarf dringend einer Überholung. Der Großbaum und die Beschläge sind in gutem Zustand.

Ein Vorteil ist wohl, dass das Boot Zeit lebens fast nur Süßwasser gesehen hat.

Grüße

Lothar

Holzwurm
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Re: Eine kleine Schäre für Heidi und Lothar

Beitragvon Holzwurm » Fr 13. Sep 2013, 05:52

:cheers: :cheers: :cheers: :cheers: :cheers: :cheers:

adlerauge3
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Re: Eine kleine Schäre für Heidi und Lothar

Beitragvon adlerauge3 » Fr 13. Sep 2013, 06:23

Da wirds beim Treffen aber eng auf dem See. :D :D
Herzlichen Glückwunsch zu dem schönen Boot und dir wünsche ich die wohl jetzt benötigte Ausdauer.

Thomas

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Re: Eine kleine Schäre für Heidi und Lothar

Beitragvon klassikfreund » Fr 13. Sep 2013, 09:40

Moin Lothar.Sieht gut aus,Euer Boot.Willkommen im Club der Großen.Übrigens kommen noch mehr schlaflose Nächte während des Refits dazu.Grüße an Euch.Hans-Jörg

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Re: Eine kleine Schäre für Heidi und Lothar

Beitragvon Ben19 » Fr 13. Sep 2013, 20:11

WOW !!!!
Sieht ja Super aus! ..
Die musst du aber beim Nächten Treffen mitnehmen ;)


Gruß Ben
Des Seglers stolz, ein Boot aus Holz!

Lothar
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Re: Eine kleine Schäre für Heidi und Lothar

Beitragvon Lothar » Fr 13. Sep 2013, 21:42

Freut mich,

dass euch unser Boot gefällt. Nun ist es ja schon fast 5 Wochen in Bremen und es ist auch schon so einiges passiert. Noch auf dem trailer hanbe ich begonnen aussen die Farbe vom Rumpf mit dem Heißluftgebläse und Spachtel zu entfernen:

20130828 001.jpg


Gleichzeitig haben wir noch alles vom Deck abgeschraubt und das Leinen vom Kajütdach entfernt:

20130815 001.jpg


Zwischendurch den Lagerbock aufgebaut und Solgun mit dem Trecker umgeladen:

20130828 005.jpg


und dann wieder gefönt und abgespachtelt. Mittlerweile bin ich beim Schleifen des Rumpfes. Die bb-Seite ist schon erledigt und nebenbei das Ruder abgebaut. An der stb-Seite fehlt noch ca 1/3 der Fläche. Das sollte morgen erledigt sein:

20130904 002.jpg


da man ja nicht dauernd schleifen kann, habe ich noch die Trimmaussparung im Kiel von Holz befreit, um mir mal die beiden Kielbolzen anzuscheuen, die da durchgehen. Sie geben Anlaß, dass ich mir wegen der Bolzen keine Sorgen mehr mache. Der dicke Bolzen hat noch 15 mm und der dünne 9 mm. Oben im Boot messe ich 16 und 10 mm. Also hält sich der Gammel in überschaubaren Grenzen:

20130830Kielbolzen 001.jpg


Es war wohl wirklich ein Vorteil, dass Solgun meistens in Süßwassser war.

Das ist der momentane Stand der Dinge. Ich melde mich, wenn's weitergeht.

Lothar

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Re: Eine kleine Schäre für Heidi und Lothar

Beitragvon klassikfreund » Sa 14. Sep 2013, 10:16

Moin Lotahr.Ihr seid ja richtige Wühler.Wenn Ihr den Rumpf,Deck und Aufbau geschliffen und abgebürstet habt,solltet Ihr 3 Lampen verteilt im Rumpf bei Dunkelheit leuchten lassen.Jetzt würde man auch kleine Risse in der Beplankung sehen können:als Planungshilfe für weitere Abdichtungsarbeiten.Grüße und bleibt nett miteinander.Hans-Jörg

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Re: Eine kleine Schäre für Heidi und Lothar

Beitragvon GER 60 » Sa 14. Sep 2013, 13:05

Hallo Lothar,

herzliche Glückwünsche für Deine neue Aufgabe.
Allzeit gute Fahrt mit dem Boot.

Gruß
Peter
GER 60 rMM; Footy; 15er S60 2,4 GHz

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Re: Eine kleine Schäre für Heidi und Lothar

Beitragvon Lothar » Sa 14. Sep 2013, 15:10

Danke Peter,

hoffentlich bringe ich die Aufgabe zuende...

Heute habe jedenfals den Rumpf zuende geschliffen. Als nächstes werde ich den Kahn wohl ausleisten. Dann erübrigt sich auch die Aktion mit den Lampen im Rumpf.... :wink:

Dadurch das das Boot seit einigen Jahren auf dem Trockenem steht, kann man eh durch alle Plankennähte schauen. Das meiste des alten Dichtungsmaterials hat sich durch die Vibration des Excenterschleifers aus den Fugen entfernt.

Lothar


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